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Der nächste Sprint steht an... Wir treffen uns am Dienstag Morgen um 10:00 Uhr zum Refinement. Es gilt noch einige Themen fachlich genauer zu hinterfragen. Auch technische Grundlagen müssen noch geklärt werden.

Abends geht's zum Fußballtraining. Der Trainer hält erst einmal einen 15 minütigen Vortrag über das letzte Spiel am Sonntag. Dann fängt er auch noch an über das nächste Spiel zu reden wie wichtig das sei... Ich will doch nur kicken. Verteil endlich die Leibchen!

Mittwoch morgen unter der Dusche gehe ich nochmal die technischen Themen des Refinements durch. Mir fällt auf, dass unser Ansatz wohl nur bedingt funktioniert und habe eine alternative Idee. Glück gehabt... Man wär das ärgerlich gewesen das erst zu bemerken, nachdem ein Tag Entwicklung investiert wurde. Im Büro angekommen setze ich mir erst einmal eine Timebox von einer Stunde und evaluiere eine Bibliothek.

Donnerstag dann wieder Fußballtraining. Der Trainer kommt später. Steckt noch im Stau bekomme ich in der Kabine gesagt. Wir krallen uns die Bälle, legen sie auf die Strafraumlinie und ballern das Runde ins Eckige. Als der Trainer dann kommt machen wir zum Aufwärmen wieder dieses Passspiel-Laufweg-Dingens. Als ob das was bringen würde.

"Von Sportlern lernen heißt siegen lernen". Dieser Spruch ist mehr oder weniger jedem geläufig. Die einleitende Anekdote löst bei so mancher Person vielleicht noch weitere Erinnerungen aus. Aus diesem Winkel betrachtet, erfordert der eben erwähnte Spruch vermutlich eine Überholung. Viel treffender wäre an dieser Stelle: "Vom Berufsleben lernen heißt siegen lernen".
Das ich ist froh nicht gleich in die Tastatur gehauen, sondern vorerst geplant zu haben. Das ich setzt sich diszipliniert eine Timebox um neue Technologien zu evaluieren. Das selbe ich jedoch, will "einfach nur kicken", anstatt das eigene Spiel und das des Teams mit spezifischen Trainingseinheiten zu verbessern.

Vergleicht man die Sportart Fussball mit dem Beruf der Softwareentwicklung, zeigen sich interessante Analogien auf. Im folgenden werden einige dieser Analogien beleuchtet und regen hoffentlich zum Denken an. Ähnliches schon erlebt? Gibt es weitere Analogien? Stimmt gar nicht!
Falls nicht bekannt sein sollte, was wir im Berufsalltag so tun, helfen die Analogien vielleicht einen Eindruck zu bekommen.

Wenns nicht läuft ist immer der Trainer zuerst am Pranger

Der "Trainer" als Alibi Verantwortlicher. Es ist immer einfacher eine einzelne Person los zu werden, als das komplette Team im Hintergrund.

In Firmen und Unternehmen geht es oftmals ähnlich von statten: Führungskräfte und Projektleiter werden ausgetauscht, wenn das Projektziel gefährdet ist. Unter neuer Führung geht es in die entgegengesetzte Richtung weiter, in der Hoffnung nun alles besser zu machen. Die bereits vorhandenen Probleme lassen sich auf diese Weise aber nicht zwangsläufig beseitigen. Probleme können auch im Team, als auch im Umfeld verankert sein.

Ballbesitz 90:10 und keine Tore

Kurzpassspiel, optimale Raumausnutzung, keine Fehlpässe. Für Taktik Liebhaber und Trainer sicherlich ein Leckerbissen. Doch nach 90 Minuten gewinnt die Mannschaft mit den meist erzielten Toren. Bei aller Leidenschaft und Liebe gewinnt am Ende das Ergebnis.

Auf ähnlich Art und Weise vertieft man sich auch gerne mal in ein Code Refactoring. Es soll ja keiner kommen und sagen dass hier könnte gegebenenfalls unter gewissen Umständen manchmal zu einem Bug oder einem Missverständnis führen. Es werden so lange Codefragmente in andere Komponenten verschoben bis der eigene Zufriedensheitgrad erreicht wird. Am Ende des Tages zählt jedoch der Mehrwert seitens des Anwenders.

Guardiola vs Ancelotti (taktische Vorgaben vs Laissez-faire)

Guardiola und Ancelotti zählen aktuell beide zu den erfolgreichsten Trainern der Welt. Ihre Herangehensweisen und Führungsstile könnten jedoch kaum unterschiedlicher sein. Während Guardiola für millimetergenaue Laufwege und exakte taktische Vorgaben bekannt ist, pflegt und befürwortet Ancelotti eher den Laissez-faire Stil.

In der Softwareentwicklung erinnert das z. B. an Besprechungen und deren Ablauf. Wir haben für das Refinement 60 Minuten angesetzt. Also sollten auch alle Themen innerhalb dieser Zeit besprochen sein. Zur Not fallen niedrig priorisierte Themen runter. Man hat schließlich noch andere Themen denen man sich zuwenden muss!
Oder vielleicht doch mal vom Fahrplan abweichen und das Refinement spontan verlängern, da gegen Ende eine interessante Diskussion entstanden ist?

Beidfüßig und Alleskönner oder doch einen Arjen Robben?

Arjen Robben ist im Fußball recht einzigartig. Er spielt offensiv auf der rechten Außenbahn, macht immer die gleiche Finte, ist linksfuß und hat den rechten Fuß nur, damit er beim laufen nicht umfällt. Auf anderen Positionen ist er lange nicht so effektiv. Dennoch ist er so wichtig für das Bayern Spiel, weil er Effizienz und das entscheidende Momentum mit bringt.

In der Softwareentwicklung kann man Robben das T-Modell gegenüber stellen. Dieses beschreibt spezialisiertes Fachwissen (vertikaler Strich) und allgemeines Grundlagenwissen (horizontaler Strich). Es gibt in einem Team z. B. jemanden der vorwiegend Interesse am Betrieb hat und jemanden der seinen Schwerpunkt in der Frontend Entwicklung hat. Beide können bei Abwesenheit des anderen aber auch dessen Arbeit erledigen. So hat man im Normalfall immer den Experten griffbereit und der Experte darf auch mal Urlaub machen, ohne dass alles in seinem Bereich stehen bleibt.

Freistoß-Spray, Torlinientechnik, Videobeweis, ...

Das anfangs belächelte Freistoß-Spray verhindert das nachträgliche Verschieben des Balles. Die anfangs umstrittene Torlinientechnik verhindert Millionenverluste wegen menschlichen Fehlentscheidungen. Der immer noch umstrittene Videobeweis wird spielentscheidende Fehlentscheidungen zumindest dezimieren.

In der Softwareentwicklung müssen wir genauso am Ball bleiben (sind wir nich alle ein bisschen Fußball? 🙂 ). Themen wie z. B. Betrieb mit Containern dürfen natürlich kritisch hinterfragt werden. Virtuelle Maschinen tuns ja auch, richtig? Oder komplizierte Frontend Build Tools. Zum erstellen eines Bundles reicht doch cat awesomeStuff-001.js >> app.bundle.js.
Insbesondere in unserer Branche gilt es lernbeständig zu sein, stetig neue Methoden und Technologien zu evaluieren und auch mutig zu sein diese schrittweise zu etablieren.

Barcelona ist kein Barcelona wenn Messi nicht spielt

Messi ist unbestritten einer der besten Fußballprofis des Planeten. Seine Aktionen und seine Anwesenheit bringt dem Spiel seines Teams den entscheidenden Vorteil. In Zahlen ausgedrückt hat die Argentinische Nationalmannschaft in der Qualifikation zu Weltmeisterschaft 2018 mit Messi 6 Spiele bestritten und 5 gewonnen, ohne Messi 7 Spiele bestritten und nur 1 gewonnen. Das entspricht einer Siegquote von 83% (mit Messi) zu 14% (ohne Messi).

Dieses Thema lässt sich auf Teamarbeit im allgemeinen abbilden. Bezieht man sich auf den Ausfall eines Teammitglieds spricht man gerne vom sogenannten Truck Faktor. Wie viele Leute können vom Truck ausgeknockt werden, ohne den Projekterfolg zu gefährden. Finde eigentlich nur ich das etwas makaber?!? Naja, auf jeden fall darf der Erfolg nicht von einer Person abhängen. Bei uns gilt z. B. die Regel: kein Projekt wird mehr alleine bestritten. So steht einem drei Wochenurlaub im Normalfall nichts entgegen, da die Last auf die Kollegen verteilt werden kann.

"Wieso wechselt der denn jetzt den besten Spieler aus?!"

Steht man im Stadion kann man nicht immer alle Trainerentscheidungen nachvollziehen. "Wieso spielt der mit dreier Kette?!", "Wieso fängt der ausgerechnet mit dieser Startelf an?!", "Wieso wechselt der den denn jetzt aus?!". Nach dem Spiel stellt sich dann vielleicht heraus, dass jener bester Spieler eine leichte Verletzung hatte.

Perspektivenwechsel / Empathie

Oft ist es hilfreich mal kurz durchzuatmen, einen Schritt zurück zu gehen und zu beobachten. Bei der Anforderungsanalyse z. B. hat es sich bewährt sogenannte Personas zu erstellen. Eine Persona ist die Beschreibung eines fiktiven Charakters dem die Software das Leben vereinfachen soll. Anhand der Persona kann das Team sich z. B. auf dessen Bedürfnisse fokussieren, statt mit noch mehr Vermutungen auch andere Möglichkeiten abzudecken.

"Von Sportlern lernen heißt siegen lernen"wird zu"Von Profis lernen heißt siegen lernen"

Profis im Sport haben alle etwas gemeinsames. Das gewisse Etwas weshalb sie erfolgreich wurden und weiterhin bleiben. Sei es im Teamsport oder auch im Einzelsport (Tennis, Leichtathletik, ...). Wir können viel von Ihnen lernen, bestimmt. Aber auch Sportler können von uns lernen. Professionellen Softwareentwicklern, Agile Coaches und generell Teams im Berufsleben. In beide Richtungen lassen sich Analogien bilden. Probiert es aus. Experimentiert.
Und bleibt am Ball 😉



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