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Die erste Assoziation mit dem Namen könnte nahelegen, dass im Folgenden ein Monolog über die Zuverlässigkeit oder Pünktlichkeit der „Deutschen Bahn“ folgt. Jedoch handelt es sich stattdessen beim BAHN-Modell um ein einfaches Feedback-Modell, wobei BAHN für „Beobachtung, Auswirkung, Hintergrund und Nachfrage“ steht.

Bevor ich das BAHN-Modell näher erläutere, möchte ich zwei wichtige Fragen aufgreifen: Welche Bedeutung kommt dem Feedback im agilen Umfeld zu? Welche Fallstricke können beim Feedbackgeben auftreten?

Im agilen Kontext spielt Feedback eine besondere Rolle. Dabei geht es nicht alleine um das  produktbezogene Feedback von Kunden und Anwender in den Meetings. Sondern auch um das Feedback in den Retrospektiven und besonders in allen weiteren alltäglichen Situationen im Beruf. Denn im agilen Umfeld steht die Teamarbeit im Mittelpunkt. Das hat zur Folge, dass überall dort, wo Menschen eng miteinander zusammenarbeiten, die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass Konflikte auftreten können. Sich gegenseitig Feedback zu geben, kann helfen diese Konflikte zu klären.

Beim konstruktiven Feedback gibt es einige Fallstricke zu beachten:

  1. Der Feedbackempfänger sollte zuvor gefragt werden, ob er Feedback haben möchte. Denn möglicherweise ist dieser gerade nicht in der emotionalen Verfassung für Feedback.
  2. Das Feedback sollte in einem passenden Rahmen erfolgen. Feedback auf dem Flur, zwischen „Tür und Angel“ kann dazu führen, dass dieses für den Empfänger wie ein Überfall wirkt. Damit der Empfänger sich nicht vorgeführt fühlt und die Vertraulichkeit gewahrt bleibt, sollte konstruktives Feedback unter 4 Augen (bzw. den Beteiligten) stattfinden.
  3. Damit das Wesentliche einer Botschaft ankommt, sollte das Feedback kurz und konkret sein. Das Feedback wird dann konkret, wenn es sich auf einzelne Beispiele von Beobachtungen oder Gesprochenem bezieht. Eine klare Struktur des Feedbacks ohne Füllwörter und Wiederholungen ist kurz und verständlich.

Das BAHN-Modell:

Das BAHN-Modell ist ein Feedback-Modell unter vielen. Was es jedoch attraktiv und interessant macht, ist der einfache und klar strukturierte Aufbau:

  1. B = Beobachtung: der Feedbackgeber schildert anhand seiner Beobachtung oder einer Aussage, was ihm aufgefallen ist: „Mir ist aufgefallen, dass…“. Somit beginnt das Feedback mit einem konkreten Beispiel. Dem Empfänger wird an dieser Stelle ermöglicht, falls von seiner Seite Einwände bestehen, einzuhaken. Vielleicht liegt eine Verwechselung oder ein Missverständnis in der Beobachtung vor.
  2. A = Auswirkung: an dieser Stelle werden die eigenen Emotionen des Feedbackgebers im Zusammenhang mit der zuvor beschriebenen Beobachtung adressiert: „In mir hat das ausgelöst…“. Der Empfänger erfährt somit etwas über die Gefühlslage des Gegenübers. Dadurch bekommt das Feedback eine Gewichtung.
  3. H = Hintergrund: hier findet eine Bedeutungsklärung statt: „warum erzähle ich dir das?“. Der Feedbackgeber macht deutlich warum es ihm wichtig ist, das Feedback zu geben
  4. N = Nachfrage: als letzter Punkt folgt eine Verständigungsfrage: „da mir deine Sichtweise wichtig ist, könntest du dir vorstellen, dass wir über … sprechen?“. Der Empfänger wird hierbei, auf respektvoller Art und Weise, zum gemeinsamen Dialog eingeladen. Er hat die Chance sich zu dem Gesagten zu äußern. Im Gegensatz zu anderen Modellen, folgt keine konkrete Aufforderung oder ein Wunsch zu einer Verhaltensänderung.

Um das BAHN-Modell greifbarer zu machen, folgt ein Beispiel aus dem Arbeitsalltag:
(Der Einstieg in das Feedback-Modell)
Feedbackgeber: „Darf ich dir Feedback geben?“
Feedbackempfänger: „Ja.“
Feedbackgeber: „Mir ist in den letzten fünf bis sechs Meetings aufgefallen, dass du regelmäßig auf dein Handy schaust (Beobachtung). Das stört und verärgert mich (Auswirkung). Dadurch habe ich den Eindruck, dass einige wichtige Punkte an dir vorbei gehen. Da mir eine gute Zusammenarbeit mit dir am Herzen liegt, interessiert mich deine Sicht zu dem Thema (Hintergrund). Könntest du dir vorstellen, dass wir über dieses Thema nochmal sprechen? (Nachfrage)“
(Der Ausstieg aus dem Feedback-Modell)
Feedbackempfänger: „Danke für das Feedback.“

Wie anhand des Beispiels zu sehen ist, beginnt das Feedback mit der Frage, ob Feedback in diesem Moment erwünscht ist. Der Empfänger könnte immer noch sagen, dass er jetzt keine Zeit mehr habe oder heute kein Feedback haben möchte. Es könnte dann ein andere Termin vereinbart werden.

Der Feedbackgeber steigt anschließend mit einer konkreten Beobachtung in das Feedback ein. Dabei beschreibt er ein Verhalten, dass er in der Vergangenheit wahrgenommen hatte. Die Beobachtung sollte keine Wörter enthalten wie „immer/nie/jedes Mal/andauernd/ect. hast du…“. Denn dadurch könnte es sein das der Empfänger gedanklich abschweift oder sagt: „Nein. Das stimmt nicht.“ oder „Immer ist nicht zutreffend.“. Eine weitere Schwierigkeit in der Beobachtung besteht darin, dass sie gar keine sein könnte. Oftmals wird anstatt einer Beobachtung eine Interpretation genannt: „[…], dass du aus Langeweile regelmäßig auf dein Handy schaust.“ Die „Langeweile“ ist eine Interpretation eines beobachtbaren Verhaltens. Sie beruht lediglich auf der Deutung von verbaler und nonverbaler Kommunikation. Sie muss jedoch nicht zutreffend sein. Sollte die Interpretation falsch sein, könnte der Feedbackempfänger direkt entgegnen, dass der Feedbackgeber falsch liegt. Oder er könnte verärgert sein: „Woher willst du wissen, ob mir langweilig war oder nicht?“. Das Feedbackgespräch wäre dann vermutlich zu Ende.

Die Auswirkung „das stört und verärgert mich“ schildert dem Empfänger welche Emotion die Beobachtung beim Feedbackgeber ausgelöst hat. In der Regel wünschen sich beide einen respektvollen Umgang, ohne das einer von beiden sich ärgern muss. Der Empfänger reagiert daher zumeist überrascht und hört dem Feedbackgeber weiter zu.

Der darauf folgende Hintergrund macht dem Empfänger klar, welche Folgen sein Verhalten aus der Sicht („Dadurch habe ich den Eindruck“…) des Feedbackgebers haben könnte.

Mit der Betonung, dass dem Feedbackgeber die „Zusammenarbeit am Herzen liegt“, eröffnet er die Nachfrage mit der Bitte um ein weiteres Gespräch.

Abschließend wird das Feedback-Modell mit „Danke für das Feedback.“ von Seiten des Empfängers beendet. Das „Danke“ bezieht sich dabei auf den Mut, die Mühe und den Willen Feedback zu geben. Es impliziert jedoch keine Zustimmung zum Inhalt.

Warum ist im BAHN-Modell keine Aufforderung oder Wunsch zur Verhaltensänderung enthalten?

Die Antwort liegt in der Frage, was das Ziel des Feedbackgebers ist. Möchte dieser in Erfahrung bringen, warum der Empfänger regelmäßig sein Handy in den Meetings benutzt, dann wird er wahrscheinlich mit einer Aufforderung oder einem Wunsch zur Verhaltensänderung weniger Erfolg haben. Denn es ist ein Unterschied, ob der Feedbackgeber fragt: „Könntest du dir vorstellen, dass wir über dieses Thema nochmal sprechen?“ oder dem Empfänger sagt, wie er sich in Zukunft verhalten soll. Eine Nachfrage zeugt von Empathie, zeigt Interesse am Empfänger und eröffnet einen großen Handlungsspielraum. Möglicherweise liefert der Empfänger eine sinnvolle Begründung, wie: „Ich warte auf einen wichtigen Anruf, weil mein Kind im Krankenhaus liegt.“ oder „Mir ist tatsächlich langweilig, weil ich nichts zum Meeting beitragen kann.“. Beides sind wertvolle Informationen.

Eine Aufforderung hingegen lädt nicht zwangsläufig zum Dialog ein. Es könnte sogar sein, dass sich der Empfänger gerne erklärt hätte, aber durch das fehlende Interesse und Verständnis enttäuscht ist. Je nach Grund wird er der Aufforderung folgen, oder eben nicht. Der Handlungsspielraum für Verbesserung der Zusammenarbeit wird dadurch kleiner. Wenn der Feedbackgeber jedoch zum Ziel hat so schnell wie möglich eine Verhaltensänderung zu erzielen, dann ist er eventuell nicht an den Gründen interessiert. Er kann sich diesen Punkt zeitlich sparen. Ob diese Strategie zum erwünschten Ergebnis führt, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

Trotz der einfachen Struktur empfiehlt es sich zuvor das Modell mit Kollegen zu üben. Denn für den realen Einsatz kann eine Routine im Umgang mit dem BAHN-Modell sehr hilfreich sein, um die oben genannten Fallstricke zu vermeiden.

Ich wünsche viel Spaß beim Feedback geben!

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